Start Zivilrecht für Private Erbrecht

Erbrecht

Sobald ein Todesfall eingetreten ist, stellen sich viele Fragen. Die Wichtigste ist dabei, wer überhaupt Berechtigter ist. Hat der Erblasser ein Testament aufgesetzt, kann damit bereits feststehen, wer Erbe ist. Ist allerdings eine Person eingesetzt, die in der gesetzlichen Erbfolge nicht auftaucht, muss geprüft werden, welche Ansprüche den übrigen Hinterbliebenen zustehen. Denn oftmals steht diesen Personen zumindest der Pflichtteilsanspruch zu. Zu prüfen ist in einem solchen Fall schließlich, inwieweit das hinterlassene Testament wirksam oder sogar anfechtbar ist.


Nur der Pflichtteil?
Hat beispielsweise der Erblasser in der Vergangenheit ein Testament aufgesetzt, es in den letzten Jahren jedoch nie geändert und sind familiäre Umstände aufgetreten, die von dem Testament nicht berücksichtigt worden sind, kann sich eine Anfechtbarkeit des Testaments ergeben. So liegt der Fall, wenn seit dem Entstehen des Testaments eine Ehe eingegangen wurde oder Kinder geboren sind. In diesem Fall können der Ehegatte oder die Kinder des Erblassers gegen das Testament vorgehen. Sie sind dann nicht nur auf den Pflichtteil verwiesen.

Die gesetzliche Erbfolge
Liegt kein Testament vor, gilt die gesetzliche Erbfolge. Erbe sein kann jede natürliche oder juristische Person, die zur Zeit des Erbfalls lebt oder wenigstens schon gezeugt war. Das Deutsche Erbrecht verfolgt das Ordnungsprinzip. Danach sind die gesetzlichen Erben erster Ordnung die Kinder des Erblassers. Danach kommen die Eltern, danach die Großeltern. Sind Kinder vorhanden, erben die Eltern, wenn kein Testament besteht, nichts. Neben den Verwandten ist zudem der Ehegatte gesetzlicher Erbe. Wie hoch sein Anteil ist, richtet sich nicht zuletzt danach, ob zwischen den Ehegatten Gütertrennung vereinbart war. Denn neben das gesetzliche Erbrecht des Ehegatten tritt die Erbteilserhöhung als Zugewinnausgleich. Gemäß § 1371 des bürgerlichen Gesetzbuches wird der Anteil um ein Viertel erhöht, sofern die Ehegatten keinen Ehevertrag geschlossen habe, der Gütertrennung vorsieht.

Schulden erben?
Tatsächlich kann man auch die Schulden des Erblassers erben. Dies ist deshalb besonders ärgerlich, weil der Erbe mit seinem gesamten Privatvermögen haftet, wenn er nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleitet. Jedoch kann dieses Risiko eingeschränkt werden.

Erbengemeinschaft
Besteht eine Erbengemeinschaft, kommt es nicht selten zu Streitigkeiten unter den Berechtigten. Denn auf Grund des eingetretenen Erbfalls sehen sich die Hinterbliebenen plötzlich in der Situation, dass Ihnen mit anderen zusammen etwas gehört. Die Erbschaft ist gemeinschaftliches Vermögen der Erben. Doch leider kommt es zuweilen vor, dass dies eine besondere Belastung für die Beteiligten darstellt. Alle müssen sich einig sein. über Nachlassgegenstände können die Erben nur gemeinsam verfügen. Kann keine Einigkeit darüber erzielt werden, wie mit dem Nachlass zu verfahren ist, hilft meist nur noch eine so genannte Erbauseinandersetzung. Diese kann die Erben jedoch teuer zu stehen kommen. Konsequenz einer Erbauseinandersetzung ist, sofern Immobilien vorhanden sind, die Teilungsversteigerung. Diese zieht jedoch nicht selten erhebliche Verluste für alle Beteiligten nach sich. Der Versteigerungserlös bleibt im Regelfall hinter dem Verkehrswert der Immobilie zurück. Um eine solche Situation zu vermeiden, hilft ein rücksichtsvoller Umgang und ein aufeinander Zugehen der Beteiligten.