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Reiserecht

 

Wer in den Urlaub fährt, tut dies, um sich zu erholen. Wenn allerdings anstelle des im Katalog so vielversprechend klingenden Hotels eine heruntergekommene Behausung vorfindet, im Pool kein Wasser zu finden ist oder das im Paket "Halbpension" mit gebuchte Abendessen Magenbeschwerden auslöst, ist an Erholung kaum mehr zu denken.


Doch was ist in einem solchen Fall zu tun?

Auf jeden Fall sollten Sie erst einmal Ruhe bewahren. Denn überstürztes Handeln kann dazu führen, dass Sie die Ansprüche, welche Ihnen hier zustehen, ungewollt verwirken. Daher empfiehlt es sich, die nachfolgende Checkliste durchzugehen:

1) Wer ist der Reiseveranstalter
Zunächst gilt es herauszufinden, wer der Reiseveranstalter ist. Denn diesem gegenüber müssen etwaige Ansprüche geltend gemacht werden. Bei Pauschalreisen ist es das im Katalog benannte Unternehmen. Dieses wird im Regelfall einen so genannten Reiseleiter vor Ort haben. Der muss als erstes über die vorhandenen Mängel informiert werden.

2) Frist setzen!
Wenn Sie den Reiseleiter ausfindig gemacht haben, muss diesem eine Frist zur Abhilfe der Mängel gesetzt werden. Zu beachten ist, dass die Frist angemessen sein muss. Was genau angemessen ist, hängt vom Einzelfall ab. 24 Stunden können bereits ausreichend sein. Findet man allerdings ein vollkommen unzumutbares Hotel am Reiseziel vor, kann es bereits unzumutbar sein, auch nur eine einzige Nacht darin zu verbringen, so dass bereits einige Stunden ausreichen müssen, um für den Gast Ersatz zu besorgen.

3) Selbsthilfe!
Wenn keine Abhilfe durch den Reiseveranstalter geschaffen wird, ist der Weg frei zur Selbsthilfe. Das bedeutet, Sie dürfen auf eigene Faust tätig werden, sich zum Beispiel ohne Hilfe der Reiseleitung ein angemessenes Hotel aussuchen. Dieses muss allerdings der Kategorie entsprechen, die Sie gebucht haben. Nur wenn in der gebuchten Kategorie am Ort kein Zimmer mehr zur Verfügung steht, dürfen Sie in ein Hotel der nächsthöheren Kategorie einchecken.

4) Mindern!
Sollte weder eine Abhilfe geschaffen werden weil die Reiseleitung nicht tätig wird und ist der Mangel nicht so erheblich, dass gleich das Hotel gewechselt werden müsste, können Sie den Reisepreis mindern. Dabei gilt allerdings zu beachten, dass Sie die behaupteten Mängel auch beweisen müssen.

5) Beweise sichern!
Machen Sie Fotos und fragen Sie Mitreisende, ob diese bereit sind, als Zeugen zu fungieren. Zeugen können dabei auch Familienmitglieder sein, wenn sie nicht selbst Vertragspartner geworden sind.

€ Höhe der Minderung €

Wie hoch der Betrag ist, um den Sie den Reisepreis mindern können, hängt vom Einzelfall ab. Fehlt beispielsweise der versprochene Pool, so sind dafür etwa 15 Prozent des Reisepreises anzusetzen. Verfügt Ihr Zimmer nicht über den versprochenen Meerblick, macht dies 10 Prozent aus. Ist bei gebuchter Vollpension oder einer "All-inclusive-Reise" das Essen ungenießbar, kann dies zu einer Minderung bis zu 40 Prozent führen. Ob Ihnen tatsächlich ein Minderungsanspruch zusteht, lässt sich vor allem dann sagen, wenn die erbrachte Leistung von den Darstellungen im Reisekatalog abweicht. Doch auch wenn zu dem vorgefunden Mangel keine Aussage im Katalog getroffen wurde, können Ihnen Ansprüche zustehen. Es kommt dann darauf an, was der durchschnittliche Reisende hätte erwarten dürfen.

Wenn Ihre gesamte Urlaubsreise eine Katastrophe gewesen ist, kann dies sogar dazu führen, dass Ihnen Schadensersatzansprüche wegen nutzlos aufgewendeter Reisezeit zustehen.